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Archive for the ‘NOTausgang Jena’ Category

beschissatlas

Auf dem Fußboden liegt eine Golfmatte. Daneben steht ein Glas, gefüllt mit einer sprudelnden Flüssigkeit. Vielleicht Champagner? An der Wand hängen Bilder von Yachten. Eine Person mit Businessschuhen spielt Bürogolf mit einem Ball, der aussieht wie eine Erdkugelminiatur. Ein Geschäftsmann, der mit unserem Planeten spielt, während er dem Luxus frönt. Im wahrsten Sinne ein „Global Player“.
So könnte man die Illustration deuten, die man im „Beschissatlas“ von Ute Scheub und Yvonne Kuschel entdecken kann. Das Buch voller „Zahlen und Fakten zu Ungerechtigkeiten in Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt“ erweckt den Eindruck, als würden Arbeits-, Ernährungs-, Verteilungs-, Geschlechter-, Migrations-, Klima- oder Rüstungsfragen oft mit Beschiss beantwortet.
Die Fakten, die auf 400 Quellen basieren und eine ungeahnte Vielfalt von Fehlentwicklungen zeigen, sind originell illustriert. Die Zeichnungen lockern die schwer verdaulichen Informationen nicht nur optisch auf, sondern bringen sie auch auf den Punkt. Zum Beispiel die Abbildung einer Ortschaft mit Wohnhäusern und einer Kirche. Die fleißigen Einwohner pflegen akkurat die Umfriedungen ihrer Eigenheime. Die Hecken, die sie verschneiden, haben die Form von Hakenkreuzen. Darunter stehen die nackten Zahlen: Mehr als ein Viertel der Deutschen stimmen ausländerfeindlichen Parolen zu. An die Überlegenheit ihrer Landsleute gegenüber anderen Völkern glaubt jeder Fünfte und 13 Prozent befürworten einen „starken Führer“.
Der „Beschissatlas“ zeigt, wo Betrug stattfindet, nämlich überall. Er ist kein Kartenwerk im geographischen Sinne, enthält aber einen Lageplan der Gesellschaft und gibt Wege als Alternativen zur aktuellen Fahrtrichtung an. Jeder EU-Bürger benutze beispielsweise im Schnitt 500 Plastiktüten pro Jahr. Seit in Irland Plastiktüten mit 22 Cent besteuert werden, sank der Jahresverbrauch um über 90 %. Mehr als sechs Millionen Deutsche gehen regelmäßig ins Fitnessstudio. Sie könnten eine ganze Stadt mit Licht versorgen, würde man die mit Fahrrad-Ergometern erzeugte Energie ins Stromnetz einspeisen. Eine Fregatte 125 kostet die Bundesregierung 650 Millionen Euro. Mit dem Geld könnten in Afghanistan Schulen für neun Millionen Kinder neun Jahre lang betrieben werden.
Beschiss ist eine vorsätzliche Täuschung. Er setzt die Existenz des Bewusstseins dafür voraus, dass es auch anders ginge. Das Buch gibt genügend Anhaltspunkte, anders zu denken und anders zu handeln.  Spätestens, wenn der Schampus leer und der Ball versenkt ist, wird auch der „Global Player“ erkennen,  dass wer mit der Erdkugel spielt, nur Eigentore fabriziert.

(Der Beitrag ist nachzulesen im NOTausgang, Nr. 3/2013.)

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„Nur wer träumt, ist frei.“ heißt ein Buch von E. W. Heine. Die Aussage ist umso schlüssiger, je länger man darüber nachdenkt. Wer fühlt sich schon wirklich frei? Frei von Zwängen, frei in den eigenen Entscheidungen, frei von Konsequenzen?
Es gibt Menschen, für die Freiheit nur ein Wort ist, das sie kaum imstande sind, zu definieren. Einer von ihnen ist Shin Dong-Hyuk, dem die Unfreiheit schon in die Wiege gelegt wurde. Geboren 1982 als Sohn politischer Häftlinge, wuchs er im nordkoreanischen Umerziehungslager Kaech’On auf. Mit sechs Jahren begann die Zwangsarbeit. Hunger, Gewalt, Willkür der Wärter, Folter und Hinrichtungen gehörten zum Alltag. Shin stand mit seinem Vater in der ersten Reihe, als seine Mutter und sein Bruder hingerichtet wurden. Mit 23 Jahren gelang ihm die Flucht aus dem Lager. Nicht der Freiheit wegen. Das Verlangen nach Essen, den Speisen, die er nur vom Erzählen der Mithäftlinge kannte, waren sein Antrieb. Im Dokumentarfilm „Camp 14 – Total Control Zone“ von Marc Wiese berichtet Shin, der heute als Menschenrechtsaktivist um die Welt reist, aus seiner Vergangenheit. Der Film zeigt einen erinnerungserschöpften jungen Mann, der still vor einer Treppe in seiner sparsam eingerichteten Wohnung kauert und nach Redepausen verlangt. Aber auch einen Mann, der acht Jahre nach seiner Flucht aus dem Lager noch nicht in der Freiheit angekommen ist, weil ihn die Abhängigkeit vom Geld zu sehr belastet. „Camp 14“ gewann fünf Filmpreise, war auf 30 Festivals zu sehen und auf Initiative der Attac-Regionalgruppe und des Kassablanca auch in Jena.

(Der Beitrag ist nachzulesen im NOTausgang, Nr. 3/2013.)

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Hans-Eckardt Wenzel und Antje Vollmer 2012 in der Stadtbibliothek Neustadt an der Orla

Hans-Eckardt Wenzel und Antje Vollmer 2012 in der Stadtbibliothek Neustadt an der Orla

Beim Blick in das Programm der IMAGINATA fiel mir eine Veranstaltung besonders ins Auge. Am 21. November kommt Antje Vollmer nach Jena, um ihr Buch „Doppelleben“ vorzustellen. Begleitet wird sie vom Liedermacher Hans-Eckardt Wenzel, der für musikalische Einlagen sorgt. Diese Mischung aus Musik und Text verspricht eine ganz besondere Wirkung.
Antje Vollmer widmet sich in ihrem Buch Heinrich Graf Lehndorff und dessen Frau Gottliebe. Deren Anwesen im ostpreußischen Steinort lag nur wenige Kilometer von Hitlers Wolfsschanze entfernt. Ein Flügel ihres Schlosses wurde ab 1941 von Reichs-Außenminister von Ribbentrop bewohnt. Gleichzeitig waren die Lehndorffs enge Vertraute des Kreises um die Hitler-Attentäter vom 20. Juli 1944. Ein gefährliches Doppelleben.
Beim Lesen des Buches fragte ich mich immer wieder: Warum ist dieses Kapitel des Widerstands so wenig bekannt und fand in der Aufarbeitung deutscher Geschichte bisher wenig Beachtung? Die Antwort darauf liegt wahrscheinlich in der weiteren Entwicklung der beiden Deutschen Staaten begründet. Die Lehndorffs mit ihrer aristokratischen Herkunft und dem hohen sozialen Status taugten nicht als Widerstandsidole im Arbeiter- und Bauernstaat.
In der BRD fand die Aufarbeitung der NS-Zeit nur marginal statt. Die 68er-Bewegung, in der Jugendliche ihre Elterngeneration kritisch be- und hinterfragten, bediente sich vorwiegend linken Ideologien. In diese passten die Lehndorffs ebenso wenig hinein.
Nun nach fast 70 Jahren leistet Antje Vollmer mit ihrer Doppelbiografie einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung, den sie ihrem Publikum auch im direkten Kontakt gekonnt vermittelt.

(Der Beitrag ist nachzulesen im NOTausgang, Nr. 3/2013.)

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Eine Suchmaschinenanfrage zum Thema Armut beantwortete Google im März 2013 mit 12 Millionen Treffern.
Definitionen und Lexikaeinträge, regionale Kampagnen und Bündnisse findet man zur Genüge. Auch Statistiken, Blogs und Zeitungsartikel.. Aber wo kann man sich über aktuelle Armutsthemen informieren, ohne sich durch tausende Seiten klicken zu müssen?
Eine Stichwortsuche bei Spiegel Online am 5. März meldete acht Beiträge aus den vergangenen zwei Wochen. Fünf davon berichteten aus dem Ausland, die anderen von Gaucks Europa-Rede, dem Wahlprogramm der Linkspartei und Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt. Mehr relevante Treffer lieferten hingegen die Online-Angebote der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Süddeutschen Zeitung. Um all diese Seiten zu durchstöbern, braucht man schon eine Menge Zeit.
Einen praktischen Zugang zur Internet-Berichterstattung über Armut bieten verschiedene Portale, von denen zwei hier kurz vorgestellt werden sollen. Sie beschäftigen sich tagesaktuell mit (sozial-)politischem Zeitgeschehen. Über eingebettete Suchfunktionen auf den Seiten bzw. des Internetbrowsers können Beiträge zum Thema Armut gut gefunden werden.
http://www.nachdenkseiten.de
DieNachdenkseiten wurden ins Leben gerufen von Albrecht Müller, Diplomvolkswirt und ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages, und Wolfgang Lieb, Jurist und einst Staatssekretär im Wissenschaftsministerium von Nordrhein-Westfalen. Auf den Nachdenkseiten findet man neben den Rubriken „Das kritische Tagebuch“ und „Manipulation des Monats“ auch Medienanalysen und Podcasts. Die Hinweise des Tages geben einen Überblick über aktuelle und interessante Internet-Veröffentlichungen, die kurz beschrieben und teilweise kommentiert werden. Dabei handelt es sich um Beiträge in den Online-Ausgaben von Zeitungen und Rundfunkstationen, aber auch Meldungen von Nichtregierungsorganisationen, Stiftungen und anderen Informationsvermittlern, die sich mit dem aktuellen Zeitgeschehen auseinandersetzen.
http://www.aktuelle-sozialpolitik.de
Über diesen Link ist das Informationsportal von Professor Dr. Stefan Sell zu erreichen. Der Direktor des Instituts für Bildungs- und Sozialpolitik der Hochschule Koblenz (ibus) ist der Herausgeber des Portals. Unzählige Veröffentlichungen zu sozialpolitischen Themen und seine Lehrtätigkeit an der Universität machen ihn zu einem begehrten Ansprechpartner für Presse, Funk und Fernsehen. In seinem Internetblog stellt er täglich aktualisierte Informationen zu sozialpolitischen Themen bereit, ebenso Materialien, Studien und Links zu aktuellen Berichten in den Medien. Professor Sell verbreitet die Meldungen auch über Twitter und auf seiner Facebook-Seite.
Die beiden vorgestellten Informationsportale überzeugen mit ihrer Aktualität. Die Initiatoren haben in ihren Berufs- und Tätigkeitsfeldern Kompetenzen erworben, die sich sehr positiv auf die inhaltliche Gestaltung und die Moderation der Seiten auswirken.
Um Armut im Alltag wahrzunehmen, benötigt man lediglich offene Augen. Das Internet ist aber so komplex und unübersichtlich, dass die Aufmerksamkeit für die wesentlichen und verlässlichen Darstellungen von Armut leicht abgelenkt wird. Die beiden Portale sind gute Wegweiser.

Der Text ist nachzulesen im NOTausgang, Ausgabe 2/2013.

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Alle Jahre wieder: Wenn das Weihnachtsfest vor der Tür steht, ist das Leben in der Stadt hektischer denn je. Stau auf den Straßen und an den Kassen. Karlheinz A. Geißlers neues Buch schien mir in der Vorweihnachtszeit 2012 die passende Lektüre in dieser scheinbar davoneilenden Zeit zu sein. „Lob der Pause. Von der Vielfalt der Zeiten und der Poesie des Augenblicks“, erschienen im oekom Verlag, blieb allerdings unangerührt auf meinem Nachschränkchen liegen. In einer Zeit, in der Andere besonders große Ansprüche auf die eigene Zeit erheben, muss man sich eben selbst hinten anstellen.
Der Verfasser des Buches würde jetzt vermutlich mit dem Kopf schütteln, denn das Schöne an der Zeit sei, „dass sie immer zu vielen auftaucht. Sie existiert nur im Plural.“ Die Zeitvielfalt müsse aber entdeckt werden.
Warten ist verlorene Zeit. Umwege kosten Zeit. Pausen verschwenden Zeit. Zeit ist immer knapp bemessen. Regelmäßig bedauern wir, zu wenig oder gar keine Zeit zu haben. Wir versuchen, der Zeit Herr zu werden, indem wir möglichst viel von ihr einsparen. Aber Geißler stellt fest: „So unmöglich es ist, den Wind zu fangen, so ausgeschlossen ist es, die Zeit in den Griff zu bekommen. Denn nicht der Mensch beherrscht, es ist die Zeit, die über den Menschen herrscht.“ Unter allen Lebewesen sei der Mensch das einzige, das Zeit sparen will. Aber je mehr Zeit eingespart werde, umso größer sei die Klage, unter Zeitdruck zu stehen.
Um Zeit zu sparen, versuchen wir, schnell zu sein. Der Zeitgeist, so der Autor, der seit über 25 Jahren ohne Uhr lebt, belohne alles Schnelle und Mobile. Doch, „die immer nur schnell sind, verpassen viel, laufen an Wichtigem vorbei und gefährden darüber hinaus Leib und Leben.“ Die Schnellen seien nicht schneller am Ziel, sondern rascher am Ende.
Der Wirtschaftspädagoge und Zeitforscher  verurteilt Schnelligkeit nicht generell. Es sei wichtig, schnell sein zu können, aber eben nicht notwendig, immer und überall schnell zu sein. Stattdessen sollten wir auf überflüssiges Tempo verzichten und allem eine angemessene Geschwindigkeit geben.
Eine besondere Bedeutung misst  Geißler Pausen bei. „[…] sie sind wirkungsvolle und sinnvolle Leerstellen […]. Sie dienen dem Nach- und dem Vorausdenken, regen zum Fantasieren und Träumen an, erlauben das Abschalten und Verarbeiten in einem. […] Pausen sind Zwischenzeiten, die Gelegenheit bieten, zu sich zu kommen […] und bieten die Gelegenheit, durch einen sanften Sturz aus dem Gewohnten gestärkt wieder auf die Beine zu kommen, um schließlich mit mehr Kraft und neuen Ideen fortzufahren.“
Karlheinz A. Geißler gelingt mit seinem Buch eine kritische und durchaus allgemeingültige Analyse unseres Verständnisses von Zeit und unseres Umgangs mit ihr. Doch was nützt alle Theorie, wenn sie nicht in die Tat umgesetzt wird? Aktives Tun und absichtliches Nichtstun, die Rekultivierung vom Schlendern, Bummeln und Trödeln, können dem Leben eine neue Qualität verleihen. Nehmen wir uns ein Beispiel an unseren Kindern, die dem Blick auf die Uhr keinen Wert beimessen. Wir holen sie aus dem Kindergarten ab und drängen auf das Nachhausegehen, um dort unsere „unaufschiebbaren“, von uns als wichtig erachteten Tagesordnungspunkte abzuarbeiten. Schauen wir ihnen doch einfach zu, wenn Sie sich im Herbstlaub wälzen. Machen wir mit, wenn sie minutenlang eine Schnecke bestaunen. Lassen wir Zeit einfach mal Zeit sein. Wir haben doch eigentlich genug davon. Wer sich auch die Zeit dafür nimmt, sich auf das Buch einzulassen, wird zwangsläufig über den eigenen Umgang mit Zeit nachdenken.

Die Buchbesprechung ist nachzulesen im NOTausgang Ausgabe 2/2013

Karlheinz A. Geißler: Lob der Pause. Von der Vielfalt der Zeiten und der Poesie des Augenblicks; München:  oekom verlag, 2012. ISBN 978-3-86581-320-6

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„Und aus dem Rauch kamen Heuschrecken auf die Erde“ (Offb. 9.3)

„Und aus dem Rauch kamen Heuschrecken auf die Erde“ (Offb. 9.3)

Wer ins Theater geht, erwartet sicherlich nicht, auf seinem Platz das Werbeblättchen eines Bestattungsunternehmens vorzufinden. Eine ungewöhnliche, aber doch passende Begrüßung. „Die Offenbarung des Johannes“, eine Bibel-Performance des Jenaer Theaterhauses, setzte sich schließlich mit dem letzten Buch des Neuen Testamentes auseinander, einer christlichen Endzeitvision.
Das Ambiente der Vorstellung am 28. November passte zum drohenden Weltuntergang, der mit der Zeitenwende im Maya-Kalender am 21. Dezember 2012 einhergehen sollte. Die Jurte auf dem Theatervorplatz, in der das Stück aufgeführt wurde, hielt dem Regenguss stand. Doch vor allem über der Bühne drohte das Dach der Jurte immer wieder nachzugeben.
Tina Keserovic und Matthias Zera, die Schauspieler der Produktion, verstanden es geschickt, die Entleerung des Zeltdaches ins Schauspiel einzubinden. Anfangs im Blaumann auftretend wirkte das beinahe einstudiert, als gehöre das Unwetter zur Kulisse. Das Bühnenbild machte neugierig: je zwei Rednerpulte und übergroße Stühle, eine Kochecke und viele kleine Gegenstände (von einer Hasenfigur bis zur Sonnenbrille), deren Einsatzzweck Rätsel aufgaben.
Sieben Überwachungskameras, gerichtet auf das Publikum, waren im Bühnenbereich installiert. Ebenso viele Neonröhren leuchteten im Hintergrund. Die Zahl 7 als roter Faden war kein Zufall. Die Rede war von einem Buch, verschlossen von 7 Siegeln. Von 7 Engeln, die vor Gott stehend 7 Posaunen erhalten. 7 Sendschreiben, die an 7 christliche Gemeinden des Römischen Reiches adressiert sind.
Die beiden Schauspieler rezitierten den Bibeltext, was für jene, die der heiligen Schrift nicht kundig sind, gewöhnungsbedürftig war. Doch die temporeiche, kreative Inszenierung erfüllte den Text mit Leben. So war Matthias Zera tatsächlich als Lamm verkleidet, das die sieben Siegel des Buches öffnete. Tina Keserovic räkelte sich mit offenem Haar am Stützpfosten des Zeltes, während ihr Schauspielerkollege von Hurerei sprach. Er überschüttete sie mit einem Eimer Wäscheklammern, als Heuschrecken über die Erde kamen. Wäscheklammern als Symbol für den Heuschreckeneinfall. Finden wir in dieser Szene etwa einen Lösungsansatz, wie der Apokalypse zu begegnen ist? Mit Alltag?
Stell dir vor, es ist Weltuntergang und keiner geht hin. Zu viele Stühle blieben an diesem Abend unbesetzt. Zum Besuch einer spannenden, kreativen Theaterinszenierung kann niemand gezwungen werden. Vor dem richtigen Weltuntergang kann sich aber keiner drücken. Oder haben Sie ihn etwa  verpasst?

(Der Beitrag ist nachzulesen im NOTausgang, Nr. 1/2013.)

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„Nicht die Geldbörse entscheidet, sondern der Wille, etwas zu machen“, appeliert Horst Ertel. Schon seit über 35 Jahren engagiert er sich für die Umwelt. Damals leitete er die AG Junge Naturschutzhelfer. Unter den naturverbundenen Kindern und Jugendlichen war auch der damals 11-jährige Peter Stollberg. Beide haben sich dem organisierten Naturschutz verschrieben, sind heute Teamleiter bei Sielmanns Natur-Rangern Team Jena.
25 Teams gehören deutschlandweit der Jugendorganisation an, die 1998 von der Heinz Sielmann Stiftung gegründet wurde. Das Logo der Jenaer Gruppe symbolisiert zwei der wichtigsten Projekte. Es zeigt einen Frauenschuh (eine heimische Wildorchideenart) und eine Fledermaus. Jenas Umgebung beherbergt 31 Wildorchideen- und 18 Fledermausarten. Diese zu schützen gehört zu den Hauptanliegen der Jenaer Natur-Ranger.
Mit der Pflege regionaler Orchideenbestände, deren Erfassung und Dokumentation, setzen sie eine Arbeit fort, die bereits in den 1970er Jahren begonnen wurde. Zur Bewahrung des Artenreichtums müssen Wiesen in Orchideenbiotopen alljährlich von der Heumahd befreit werden. Die Aktion wird in der Regel am Jenaer Freiwilligentag durchgeführt und von der Bevölkerung sehr gut unterstützt. Auch die öffentlichen Orchideenwanderungen durch das Leutratal in den Monaten Mai und Juni erfreuen sich großer Beliebtheit.
Sehr engagiert sind die Umweltschützer um Ertel und Stollberg auch im Fledermausschutz. Sie erfassen Fledermaus-Wochenstuben und kümmern sich um deren Sicherung. Wenn die Fledermäuse ihre Winterquartiere aufgesucht haben, werden ihre Wochenstubenquartiere gereinigt und instandgesetzt. Ihre handwerklichen Fähigkeiten beweisen die Natur-Ranger, indem sie artgerechte Fledermauskästen fertigen, die im Frühjahr als Ansiedlungshilfen angebracht werden. Wer sich über die nachtaktiven Fledermäuse informieren will, kann die regelmäßig organisierten Vorträge und Führungen besuchen, zum Beispiel während der europäischen Fledermausnacht, die alljährlich am letzten Augustwochenende stattfindet.
Ein erfolgreicher Fledermausschutz braucht viele helfende Hände. Besonders angetan waren Peter Stollberg und Horst Ertel von einer Spendensammlung der Jenaplan-Schule im März 2012. Die Schülerinnen und Schüler sammelten ungefähr 4000 Euro, die sie den Natur-Rangern zur Verfügung stellten. Davon sollen u.a. Fledermausquartiere in verschiedenen Kirchen erhalten werden.
Das Jenaer Team der Sielmann Natur-Ranger ist offen für alle Kinder und Jugendlichen, die gemeinsam anpacken, Natur erleben und schützen, Anerkennung erfahren und miteinander lachen wollen.
Wenn Horst Ertel vom „mörderischen Frauenschuh“ erzählt oder dem viel zu wenig thematisierten Bienensterben, springt der Funke direkt auf seine Zuhörer über. Um Kinder und Jugendliche für einen aktiven Naturschutz zu begeistern, will er ihre Abenteuerlust wecken. „Kinder brauchen Schlüsselerlebnisse. Dafür brauchen wir neue Maßstäbe, mehr Action.“, rät Ertel. Hier seien nicht zuletzt Eltern gefragt, die mit ihren Kindern spazieren gehen und Lehrkräfte, die vermitteln, dass Bäume in der Natur anders aussehen als im Lehrbuch. Um den Naturschutz zu unterstützen, seien auch die Stadtväter gefragt. Horst Ertel erwartet, dass Entscheidungen nachhaltig und nicht haushaltsabhängig getroffen werden: „Naturschutz rechnet sich aber nicht im ersten Moment, erst langfristig. Jena ist nicht nur eine Stadt der Wissenschaft, sondern hat auch viel zu verlieren: eine einzigartige Landschaft!“

Weitere Informationen: http://www.natur-ranger.de/de/teams/Jena/

Der Text ist nachzulesen im NOTausgang, Ausgabe 2/2013.

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„Jeder Mensch entwickelt sich, aber manch einer nicht so geradlinig.“ Matthias Sick, Vorstandsmitglied des Thüringer Landesverbandes Psychiatrie-Erfahrener e. V. (TLPE), kritisiert übereilte Diagnosen der Mediziner. „Wenn Menschen in Krisen geraten, denen sie psychisch nicht standhalten können, werden sie schnell als chronisch krank abgestempelt. Emil Kraepelin gilt als Begründer der modernen empirisch orientierten Psychopathologie. Er ging davon aus, das Psychiatrie-Patienten kaum Aussicht auf Heilung haben. Seine Ansichten werden auch heute noch vertreten, obwohl sie über 100 Jahre alt sind und es mittlerweile widerlegende Studien gibt.“
Das Projekt EX-IN hat einen völlig anderen Ansatz. Experienced Involvement, das meint eine Mitwirkung (ehemaliger) Patienten, die auf Erfahrungen basiert. Es geht von dem Grundsatz aus, dass jeder Mensch das Potential zur Genesung hat. Psychiatrie-Erfahrene sollen ausgebildet werden, um im psychiatrischen Bereich arbeiten und zusätzlich zu anderen Behandlungen die Genesung begleiten zu können. Dieses Prinzip wird auch vom TLPE unterstützt.
Ein Ziel des im Jahr 2000 gegründeten Verbandes ist es, Mitbürger zu erreichen, bevor sie in die Psychiatrie müssen. Doch wenn sich die ersten Anzeichen einer psychischen Krise zeigen, sind sie meist unvorbereitet. Zum Therapeuten gehen viele erst, wenn sie nicht mehr können, weil die Angst zu groß ist, als „verrückt“ zu gelten. Die Probleme werden dann so akut, dass Klinikaufenthalte zwangsläufig folgen. Dort werden emotionale Krisen oft auf die Biologie reduziert und chemisch behandelt.
„Die Ärzte wissen alles über den Stoffwechsel, aber nicht, wie es den Menschen geht.“ Matthias spricht aus eigener Erfahrung. Nach Depressionen und manischen Phasen, die sein Leben außer Kontrolle brachten, kam auch er ins Krankenhaus. Die medikamentöse Behandlung hätte ihr Ziel verfehlt. Sie sei darauf angelegt, Symptome zu behandeln. Die Ursachen behebe sie jedoch nicht. Zu Bedenken gibt Matthias, dass Psychopharmaka bewusstseinsverändernd wirken, wie Drogen und er fragt: „Gibt es etwa Ärzte, die einem morgens, mittags und abends Bier verschreiben?“ Er will nicht falsch verstanden werden, er ist nicht grundsätzlich gegen Medikamente. Aber Matthias fordert, dass jeder selbst entscheiden kann, ob er Medikamente nimmt.
Der Landesverband bietet Hilfesuchenden auf verschiedene Art Unterstützung an. Er vermittelt in und unterstützt die Gründung neuer Selbsthilfegruppen, gibt Antworten auf fachliche Fragen (z.B. zur Betreuungs- oder Patientenvollmacht), ist Treffpunkt für Informations- und Erfahrungsaustausch und empfiehlt Fachkräfte für Vorträge.
Außerdem ist er in verschiedenen Gremien vertreten. Die Besuchskommission ist ein Kontrollgremium mit einer Art Aufsichtsfunktion für Parlament, Fachbehörden und Öffentlichkeit. Sie geht regelmäßig in Kliniken, berichtet über Behandlungsmöglichkeiten, aber auch von festgestellten Mängeln. Die Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Vertretern verschiedener psychiatrischer Einrichtungen und Dienste. Ihre wesentliche Aufgabe besteht darin, die Zusammenarbeit der Einrichtungen zu verstärken. Der Landesbehindertenbeirat und der Landesfachbeirat für Psychiatrie sind weitere wichtige und anerkannte Gremien des TMFSG, in denen die Belange von Menschen mit psychischen Problemen und Erkrankungen thematisiert werden.

Kontakt: Thüringer Landesverband Psychatrie-Erfahrener e. V., Tel.: 0361 2 65 84 33, Internet: http://www.tlpe.de
Interessierte zur Verstärkung des Teams sind willkommen. Gesucht wird beispielsweise ein Regionalvertreter für den Umkreis von Jena.

Der Text ist nachzulesen im NOTausgang, Ausgabe 2/2013.

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Alle Mann an Bord?

Stellen wir uns vor, die Welt ist ein Meer und die Gesellschaft ein Schiff. Über kurz oder lang kommt Wind auf, der immer stärker wird und sich zum Sturm entwickelt. Die Besatzung hat dann die Aufgabe, das Schiff auf Kurs zu halten und dem Sturm zu trotzen. Schafft sie es nicht, sind Teile der Ladung, oder sogar die Passagiere, den Fluten des Meeres ausgeliefert und werden irgendwann vom Wasser an den Strand getrieben.
Auch die „Schreibenden Arbeitslosen“, ein Projekt des MobB e.V. Jena, sind Gestrandete, die über Bord gegangen sind. Doch sie fanden am Strand eine Schreibmaschine und sahen das Schreiben fortan als ein Mittel, mit ihrer Misere umzugehen.
„Vorsicht, Strandgut!“ ist ihre erste Publikation. Die fünf Autor(inn)en des Buches haben ihre Gedanken auf ganz unterschiedliche Art und Weise zu Papier gebracht, mal als Gedicht, mal als Erzählung. Aufgelockert durch Aphorismen bekannter Denker und einigen Karikaturen wird das Buch immer dann besonders eindringlich, wenn die Verfasser Situationen und Konflikte schildern, die (Noch-)Nicht-Gestrandeten ganz neue Denkansätze liefern. Wenn einem Hartz-IV-Empfänger gesagt wird, die Wohnung wäre nicht angemessen, denken die Wenigsten daran, dass er vielleicht seit seiner Kindheit dort wohnt, ein Dutzend Mal renoviert, die Fenster gestrichen und die Leitungen verlegt hat. Oder Jaqueline, die nicht mit zur Klassenfahrt nach Frankreich fahren kann, weil sie das Geld für dringend benötigte Kleidung eingeplant hat. Und an Geld mangelt es, seit ihre Mutter, ausgebildete Dipl.-Ingenieurin, als Reinigungskraft arbeitet.
Leider verleitet die Vielzahl (an)klagender Gedichte beim Lesen gelegentlich dazu, dem Faden, der sich zweifelsohne durch das Buch zieht, nicht immer konsequent zu folgen.
Die „Schreibenden Arbeitslosen“ wissen, wie sich viele Gestrandete fühlen: als „Müll, der vielleicht sogar giftig ist und den Blick auf die blühenden Landschaften verschandelt.“ Was aber nicht vergessen werden sollte: Gescheitert ist nicht das Strandgut, sondern das verunglückte Schiff.
Daniel Pfletscher
„Vorsicht, Strandgut!“, Jena 2007, ISBN 978-3-00-020900-0 ; 4,80 EURO

 

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Lernstatt in Jena

17. Lernstatt Demokratie des Förderprogramms „Demokratisch Handeln“ im Juni 2007 in Jena

 

 

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Über den Umgang mit Armut 

„Du bist Deutschland“ – ein Slogan, der uns Vertrautheit signalisieren und zur Verantwortung für ein Land aufrufen soll, in dem jeder ein Teil des Ganzen ist. Aber wenn JEDER Deutschland ist, dürfen wir nicht die 11 Millionen Menschen vergessen, die arm, oder zumindest von Armut bedroht sind. 7 Millionen Deutsche leben auf Sozialhilfeniveau, 3 Millionen Haushalte sind überschuldet. In Westdeutschland lebt jedes achte Kind in Armut, im Osten sogar jedes vierte. Auch das ist Deutschland.
Warum gibt es trotzdem noch keine vernünftige Armutspolitik? Warum schauen wir immer noch weg, wenn jemand im Müll nach Verwertbarem sucht? Warum denken immer noch die meisten, sie könne es nicht treffen?
Ständig öffnen neue, noch größere Kaufhäuser ihre Pforten. Stadtbilder verändern sich, weil Häuser instandgesetzt und Fassaden verschönert werden. Und wir verbringen unseren Urlaub in Neuseeland, auf Mallorca oder wenigstens im Bayerischen Wald. Aber: „Weder gibt es mehr Arbeit noch mehr Gerechtigkeit. Dafür sieht Mangel heute schöner aus.“, nachzulesen in „Einfach abgehängt: ein wahrer Bericht über die neue Armut in Deutschland“ von Nadja Klinger und Jens König.
Auf 254 Seiten schreiben die Autoren über ein Land, das so viel Geld für Sozialpolitik ausgibt, wie kaum ein anderes, und dabei trotzdem so erfolglos bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist; wo in „Jobcentern“ „Kunden“ von „Case Managern“ vermittelt werden sollen, die Empfangsdamen „Scouts“ heißen und man sich bei Beschwerden an das „Kundenreaktionsmanagement“ wendet.
Nadja Klinger und Jens König wollen die Perspektive auf Armut ändern. Sie reden mit den Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen und beschreiben die Welt durch deren Augen.
Die persönlichen Schicksale geben den erschreckenden Zahlen ein Gesicht. Angelika Fischer zum Beispiel, gelernte Stenotypistin, ist seit 1990 arbeitslos und erfüllt nicht die Klischees, mit denen Langzeitarbeitslose oft zu kämpfen haben. Sie engagiert sich im Arbeitskreis Gewalt gegen Frauen und Mädchen, beim Frauennotruf, in der Frauenbibliothek, ist im Vorstand des Hauses der Demokratie tätig und kümmert sich um Streitschlichter an Leipziger Schulen. Alles ehrenamtlich, eine bezahlte Arbeits sprang für sie bis jetzt nicht heraus, obwohl sie rund um die Uhr zu tun hat.
Damit Politik nicht mehr nur „Rolle der Bordapotheke auf der Titanic“ spielt, muss umgedacht werden. Die Autoren bieten interessante Denkansätze. So sollte sich Politik nicht am alten Sozialstaat orientieren, der falsche Anreize bietet, durch finanzielle Transfers von staatlicher Hilfe abhängig macht und die Menschen zu wenig fördert. Sie darf sich auch nicht nur an der Mittelschicht orientieren, auch wenn diese die größte Wählerschaft stellt. Sozial Schwache werden zu selten berücksichtigt (Beispiel Elterngeld). Armutspolitik als Querschnittspolitik, die resortübergreifendes Handeln erfordert, muss auch Bildungspolitik sein. Arbeit, Einkommen und Lebensqualität sind abhängig von Bildungsqualifikationen, für die schon im Kindergarten Grundlagen gelegt werden müssen. Armutspolitik bedeutet aber vor allem RESPEKT. Und hier sind wir alle gefragt. Erst wenn jedem Einzelnen klar wird, dass Armut nicht länger an den Rand der Gesellschaft abgedrängt werden kann, weil sie mitten unter uns ist, kann eine Armutspolitik auch funktionieren.

 

 

 

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Aus dem Leben eines Kassenpatienten 

Wie kann man einem Blutdruck von 190 mmHg etwas Positives abgewinnen? Ganz einfach, wenn man sich eigentlich beim Arzt eine Grippeschutzimpfung abholen wollte und einem der quälende Piekser erspart bleibt, wie es unlängst Fred Wacker erging. Doch seine Erleichterung währte nicht lange. Weil der Blutdruck in der folgenden Woche sogar noch anstieg, folgte ein denkwürdiger Krankenhausaufenthalt, an dessen Ende sich der Autor die Frage stellte, wie man trotz geschwätziger Mitpatienten und eines Marathons aus Temperatur-, Puls-, und Blutdruckmessungen zur Ruhe kommen soll. Oder wurde er am Ende gar nur wegen seinen „wunderbaren Übungsvenen“ stationär aufgehalten, die ihm eine Krankenschwester attestiert?
Doch man ist ja nicht sein ganzes Leben lang nur Patient. Deshalb ist die beschriebene Episode auch nur ein Kapitel in Fred Wackers Erstlingswerk „Ein Kassenpatient kennt keinen Schmerz“. Darin kann man nämlich auch nachlesen, welche Schikanen den Autor und seine Frau beim Ausbau ihres neu erworbenen Häuschens erwartet haben, wie ungünstig es ist, in der Küche über die Hauptverteilerdose hinweg zu tapezieren oder den Graben für das Stromkabel von seinen hilfsbereiten Nachbarn zu tief ausheben zu lassen.
Unberichtet bleiben darf natürlich auch nicht, wie ein Ostseeurlaub drohte, in einer Katastrophe zu enden, weil das Kamerastativ des Bruders am Strand verloren ging, was zu DDR-Zeiten bekanntlich ein Verlust von Dauer sein konnte, oder wie es die Fähigkeit des Autofahrens schulen kann, wenn der Kleinwagen nur bei trockenem Wetter fährt.
So banal wie amüsant, kurz, aber auch kurzweilig kommen sie daher – die Geschichten, die Fred Wacker uns zu erzählen hat. Wer sich unter dem Titel ein weiteres Buch erhofft, das unser Gesundheitssystem thematisiert, wird enttäuscht sein. Wer sich für den Alltag interessiert, gewürzt mit einer Note „Wackerschen Humors“, erkennt sicher den Charme des Büchleins.

 

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 Es ist Freitagabend. Mitch Albom, Sportjournalist, Radioreporter und Fernsehkommentator, sitzt in seinem Haus, zappt sich durchs Fernsehprogramm und erstarrt, als der TV-Moderator fragt: „Wer ist dieser Morrie Schwartz?“.
Mitch kennt Morrie Schwartz. Er war mehr als nur sein Soziologie-Professor. Er war sein Freund. Doch Mitch hatte nach dem Studium Karriere gemacht und andere Dinge im Kopf. Sein Erfolg als Journalist brachte ihm Geld, Ruhm und Aktien.
Beim Blick auf den Bildschirm erschreckt Mitch, denn Morrie war kaum wiederzuerkennen, ausgemergelt und von Krankheit gezeichnet. Er hat ALS (Amyotrophe Lateralsklerose), eine unheilbare, degenerierende Krankheit des motorischen Nervensystems, die zu einer Muskellähmung im gesamten Körper führt.
Wenige Wochen später beginnt der letzte Kurs von Morrie Schwartz. Er findet nicht im Hörsaal, sondern in seinem Arbeitszimmer statt. Mitch ist der einzige Student und Thema des Kurses ist der Sinn des Lebens. Eine Abschlussprüfung wird es nicht geben. Die Abschlussarbeit ist dieses Buch.
Als Mitch seinen alten Professor besucht, wird ihm bewusst, dass er seine Träume längst aufgegeben hat und nur noch für seinen Job lebt. Er beginnt an seinem Leben zu zweifeln. Fortan besucht er Morrie, üblicherweise dienstags, wie schon zu Studienzeiten. Sie reden nicht über Fakten, Theorien oder Statistiken, sondern über die wirklich wichtigen Lektionen des Lebens: Reue, Selbstmitleid, Liebe, Familie, Gefühle, Geld, Kultur, Vergebung und natürlich den Tod.
Während sich Morries körperliche Verfassung zusehends verschlechtert, er rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen ist, erkennt Mitch immer deutlicher, dass er die Art und Weise, wie er sein Leben führt, grundlegend überdenken sollte. Wie sagte Morrie so treffend: „Es sind die falschen Dinge, denen wir einen Wert beimessen. Und das führt zu einem Leben der Leere und Desillusion.“ Sein Rat: „Widme dich liebevoll anderen Menschen, widme dich der Gemeinschaft, die dich umgibt und bemühe dich, etwas zu schaffen, das deinem Leben Sinn und Bedeutung verleiht.“
Das Leben ist ein immerwährender Lernprozess. Aber es gibt Menschen, die nicht nur ein ganzes Leben lang lernen, sondern auch bis zum letzten Atemzug lehren. Morrie war so ein Mensch.
„Dienstags bei Morrie“ ist Philosophie für den Alltag, für jeden verständlich, von jedem anwendbar.

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