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„Und aus dem Rauch kamen Heuschrecken auf die Erde“ (Offb. 9.3)

„Und aus dem Rauch kamen Heuschrecken auf die Erde“ (Offb. 9.3)

Wer ins Theater geht, erwartet sicherlich nicht, auf seinem Platz das Werbeblättchen eines Bestattungsunternehmens vorzufinden. Eine ungewöhnliche, aber doch passende Begrüßung. „Die Offenbarung des Johannes“, eine Bibel-Performance des Jenaer Theaterhauses, setzte sich schließlich mit dem letzten Buch des Neuen Testamentes auseinander, einer christlichen Endzeitvision.
Das Ambiente der Vorstellung am 28. November passte zum drohenden Weltuntergang, der mit der Zeitenwende im Maya-Kalender am 21. Dezember 2012 einhergehen sollte. Die Jurte auf dem Theatervorplatz, in der das Stück aufgeführt wurde, hielt dem Regenguss stand. Doch vor allem über der Bühne drohte das Dach der Jurte immer wieder nachzugeben.
Tina Keserovic und Matthias Zera, die Schauspieler der Produktion, verstanden es geschickt, die Entleerung des Zeltdaches ins Schauspiel einzubinden. Anfangs im Blaumann auftretend wirkte das beinahe einstudiert, als gehöre das Unwetter zur Kulisse. Das Bühnenbild machte neugierig: je zwei Rednerpulte und übergroße Stühle, eine Kochecke und viele kleine Gegenstände (von einer Hasenfigur bis zur Sonnenbrille), deren Einsatzzweck Rätsel aufgaben.
Sieben Überwachungskameras, gerichtet auf das Publikum, waren im Bühnenbereich installiert. Ebenso viele Neonröhren leuchteten im Hintergrund. Die Zahl 7 als roter Faden war kein Zufall. Die Rede war von einem Buch, verschlossen von 7 Siegeln. Von 7 Engeln, die vor Gott stehend 7 Posaunen erhalten. 7 Sendschreiben, die an 7 christliche Gemeinden des Römischen Reiches adressiert sind.
Die beiden Schauspieler rezitierten den Bibeltext, was für jene, die der heiligen Schrift nicht kundig sind, gewöhnungsbedürftig war. Doch die temporeiche, kreative Inszenierung erfüllte den Text mit Leben. So war Matthias Zera tatsächlich als Lamm verkleidet, das die sieben Siegel des Buches öffnete. Tina Keserovic räkelte sich mit offenem Haar am Stützpfosten des Zeltes, während ihr Schauspielerkollege von Hurerei sprach. Er überschüttete sie mit einem Eimer Wäscheklammern, als Heuschrecken über die Erde kamen. Wäscheklammern als Symbol für den Heuschreckeneinfall. Finden wir in dieser Szene etwa einen Lösungsansatz, wie der Apokalypse zu begegnen ist? Mit Alltag?
Stell dir vor, es ist Weltuntergang und keiner geht hin. Zu viele Stühle blieben an diesem Abend unbesetzt. Zum Besuch einer spannenden, kreativen Theaterinszenierung kann niemand gezwungen werden. Vor dem richtigen Weltuntergang kann sich aber keiner drücken. Oder haben Sie ihn etwa  verpasst?

(Der Beitrag ist nachzulesen im NOTausgang, Nr. 1/2013.)

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